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Mit dem Wunsch, die Erfolge, insbesondere die Start-ups und mittelständischen Unternehmen zu fördern, habe ich mich 2002 als Beraterin und Business-Coach selbständig gemacht. Vorausgegangen waren ein Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und über zwölf Jahre Berufserfahrung im internationalen Finanzgeschäft. Als Beraterin bin ich bei KFW und BAFA registriert, im Verzeichnis der Bundesweiten Gründerinnenagentur(bga) und bei Brainguide jeweils im Expertinnenpool zu finden. Mein besonderes Interesse gilt der digitalen Welt, den neuen Medien und deren Relevanz für Unternehmer/innen. 2005 habe ich mit Unternehmerinnen.org eine Online Plattform für selbständig tätige Frauen gestartet. 2014 ein Buch zum Thema "Crowdfunding" geschrieben. Ich berate, halte Vorträge und gebe Online- und Live-Seminare. Und ich blogge...

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Samstag, 12. September 2015

Schlagwort Industrie 4.0 #HRLab

Die „Zukunft Personal“ hat zu einer Blogparade zum Thema „Arbeiten 4.0“ aufgerufen. Da ich mich seit langem mit den Bereichen Digitalisierung, Arbeitswelt 2.0 bzw. 4.0 und VUCA-Kompetenz beschäftige, nehme ich gerne an der Blogparade teil.

Seitdem der Begriff Industrie 4.0 auf der Hannover Messe 2011 erstmals Erwähnung fand, wird er uns von Marktforschern, politischen und wirtschaftlichen Entscheidern, Wirtschaftsverbänden und nicht zuletzt den Medien immer wieder regelrecht um die Ohren gehauen. Dabei ist das (Er-)Schlagwort Industrie 4.0 für viele Zeitgenossen nichts als eine Worthülse, die sie je nach Informationsstand mit diffusem oder gar keinem Inhalt selbst füllen.  Kein Wunder eigentlich, denn als im Jahr 2011 der Begriff auftauchte, hatte ich selbst Gelegenheit auf dem Fachkongress "WoMenPower", der alljährlich im Rahmen der Hannover Messe stattfindet, für über 100 interessierten Fach- und Führungskräften  über das Thema Web 2.0 und neue Medien zu referieren und konnte dabei wieder einmal hautnah erfahren, wie groß der Informationsbedarf selbst in diesem Bereich noch ist!

Die "Industrie-4.0-Studie" des IT-Dienstleisters CSC aus dem Januar d. J. befragte 500  Unternehmensentscheider  und brachte - für mich als Unternehmensberaterin nicht wirklich erstaunlich -  folgendes Ergebnis zu Tage:  40 Prozent der Befragten hatten von dem Begriff noch nichts gehört, 29 Prozent konnten sich konkret nicht viel darunter vorstellen. Bleiben schlappe 31 Prozent, die tatsächlich wissen, worum es bei Industrie 4.0 geht. Zwar sehen alle die "digitale Revolution" als wichtig für unsere Wirtschaft an, aber nur die Hälfte aller Befragten sieht sich auf den Wandel vorbereitet und zwei Drittel sind der Ansicht, dass es  gar nicht genügend Fachkräfte gibt, um den Übergang zur Industrie 4.0 zu meistern.

Was ist "Industrie 4.0"? 

Ich wage mal eine Definition: Industrie 4.0 steht für eine neue Stufe der Organisation und Prozesssteuerung. Diese erstreckt sich über den Lebenszyklus von Produkten. Es beginnt mit der Idee, dem Angebot geht über die Bestellung und die Fertigung bis hin zur Auslieferung und - streng genommen sogar bis zu Recyling von Produkten. Ausgangspunkt ist - das wird bei all der Fokussierung auf die Technik leicht übersehen - der KUNDE, seine Bedürfnisse und Wünsche! Wertschöpfungsketten werden nachhaltig beeinflusst, so werden Konsumenten zu Prosumenten, die über - zunehmend individualisierte - Produkte und Angebote mit bestimmen. Industrie 4.0 bleibt nämlich nicht in der Fabrik und im produzierenden Gewerbe stehen, sondern schließt den Dienstleistungsbereich mit ein. Hier spricht man jedoch weniger von "Industrie 4.0" sondern von Smart Services.

Durch die Verbindung von Menschen, Objekten und Systemen, wie sie uns schon im Bereich Web 3.0 begegnen, bringt die Smart Factory das "Internet der Dinge und Dienste" (= Web 3.0) in die Produktion. Das Netzwerk der Smart Factory aus Menschen, Maschinen und materiellen Ressourcen hat Schnittstellen zu Smart Logisitics und Smart Grid. Bei Smart Logisitics steuern digitale Systeme, vollautomatisch ganze Arbeitsgänge im Bereich Logistik; das geht bis zu "fahrerlosen" Transportmitteln (Smart Mobility). Smart Grid steht für die digitale die Verzahnung und Steuerung von Energienetzen bis hin zum Endverbraucher.


Müssen wir Arbeit 4.0 völlig neu denken?

Ja! Und zwar nicht nur unser Arbeit, unsere gesamte Lebenswelt ändert sich bzw. hat sich schon dramatisch verändert im Rahmen der Digitalisierung. Der Arbeitskreis Industrie 4.0 von dem die obige Grafik stammt, formuliert seine Ideal-Vision so: "Die Produktion wird hoch-flexibel, hoch-produktiv (bis zu +50%), ressourcenschonend (bis zu -50%) und urban-verträglich. Wertschöpfungsprozesse werden bedarfsorientiert in Echtzeit optimiert: Es kommt zur Bildung virtueller Ad-hoc-Organisationen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert sich - mit Rücksichtnahme auf die individuelle Verfügbarkeit der Mitarbeiter. Ältere Mitarbeiter profitieren von intelligenten Assistenzsystemen. Die bestehender Infrastruktur kann schrittweise nachgerüstet werden."

Dies ist ein Idealbild. Doch kann es erreicht werden? In der Realität regieren oft verkrustete Strukturen. Führungskräfte verhalten sich mitnichten so, wie sie es eigentlich gut fänden: Weg von Shareholder Value hin zu Mitbestimmung und Demokratie oder Teamwork und Netzwerkdynamik. Diese scheinbare Schizophrenie hat meiner Ansicht nach mehrere Ursachen:
  1. Der rasche volatile Wandel durch die Digitalisierung überfordert viele. 
  2. In Führungsetagen regieren ohnedies schon seit zwei Jahrzehnten immer mehr Angst und Unsicherheit. Fehlertoleranz ist Mangelware. Profit-Center Modelle und ähnliche Konstrukte haben den Gewinnmaximierung und Shareholder Value selbst in die unteren Etagen der Verantwortung befördert.
  3. Die Komplexität ist durch zergliederte Prozesse, umfangreiches Reporting, überfrachtete Regelwerke und eine oft unsinnige Aufteilung von Entscheidungsbefugnissen ist vielfach anzutreffen. Das verlangsamt Entscheidungen, frustriert ambitionierte und clevere Mitarbeiter und macht Entscheider leider of betriebsblind.
  4. Mißverständnisse und Vieldeutigkeiten (Ambiguität) mehren sich dort, wo wenig direkt bzw. nicht offen und ehrlich miteinander kommuniziert wird. Die virtuelle Kommunikation hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen und damit die Flut von - häufig redundanten - zuweilen missverständlichen Informationen. Die permanente Erreichbarkeit durch neue Technologien schränkt Führungskräfte bei der Wahrnehmung ihrer eigentlichen Aufgaben ein wie dieses Schaubild aus einer Accenture-Studie von diesem Jahr zeigt.  

Diese VUCA (volatil, ungewiss, komplex und mehrdeutig ) gewordene Arbeitswelt erschwert nicht nur den Übergang zur erfolgreichen Digitalisierung, sie bleibt nicht auch sonst nicht ohne Nebenwirkungen. Die jährlich stattfindende Umfrage „HR Future-Trends“ der AoN ermittelte bislang für 2015 : in 40% der befragten Unternehmen liegt der Krankenstand unter 5%, bei 50% der befragten Unternehmen liegt er jedoch zwischen 5 und 10% und  immerhin 10% der befragten Unternehmen gaben an, über die Höhe der durchschnittlichen Krankenstände nicht informiert zu sein...

 

Müssen Unternehmen mehr Experimentiergeist entwickeln?

Ja! Wenn Sie in der digitalisiereten Welt von heute und morgen dauerhaft überleben wollen, müssen sie sich mit den Herausforderungen auseinandersetzen. "In der Wirtschaft wird kein Stein mehr auf dem anderen bleiben", warnte BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf auf der diejährigen CeBIT.

Um sich der neuen Verantwortung proaktiv zu stellen, genügt es nicht, die  innovativen  Technologien heranzuschaffen und die Muster analoger Prozesse in die digitale Welt zu übertragen. Entscheider müssen eingefahrene Bahnen verlassen. Wir brauchen neue Handlungsspielräume, Kreativität, müssen uns mehr Offenheit und gelegentlich auch ein bisschen Anarchie erlauben. Der Shareholder Value wird sich nicht verbessern, wenn wir weiterhin veraltete schwere Tanker durch den Ozean der Arbeitswelt 4.0 zu steuern versuchen. Statt Angst brauchen wir Mut, Zuversicht und eine beherzte Auseinandersetzung der VUCA-Problematik.

"Aufgrund seiner Fähigkeit zum flexiblen Handeln wird der Mensch künftig als zentraler Entscheider und Problemlöser in einer hochkomplexen und vernetzten Produktionsumgebung agieren," erläutert Matthias Loskyll vom "Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz".

Im Fokus aller unternehmerischen Entscheidungen in der Arbeitswelt 4.0 muss folglich der "Unternehmenswert Mensch" stehen.


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