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Mit dem Wunsch, die Erfolge, insbesondere die Start-ups und mittelständischen Unternehmen zu fördern, habe ich mich 2002 als Beraterin und Business-Coach selbständig gemacht. Vorausgegangen waren ein Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und über zwölf Jahre Berufserfahrung im internationalen Finanzgeschäft. Als Beraterin bin ich bei KFW und BAFA registriert, im Verzeichnis der Bundesweiten Gründerinnenagentur(bga) und bei Brainguide jeweils im Expertinnenpool zu finden. Mein besonderes Interesse gilt der digitalen Welt, den neuen Medien und deren Relevanz für Unternehmer/innen. 2005 habe ich mit Unternehmerinnen.org eine Online Plattform für selbständig tätige Frauen gestartet. 2014 ein Buch zum Thema "Crowdfunding" geschrieben. Ich berate, halte Vorträge und gebe Online- und Live-Seminare. Und ich blogge...

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Dienstag, 27. Oktober 2015

[Blogparade] Unternehmenswert Mensch in der Arbeitswelt 4.0 #Arbeitenviernull | #knt15

Im Rahmen der KnowTech 2015 veranstaltet der Bitkom in diesem Jahr eine Blogparade unter dem Motto “Zukunft der Arbeit?“ Mein Beitrag widmet sich dem Wert des Menschen in der Wirtschaft bzw. im Unternehmen, wie er sich in der Arbeitswelt 4.0 präsentiert.

"Die deutsche Industrie steht vor dem größten Umbruch der Geschichte", titelte am 20.12.2014 Focus Online  und beschrieb die Arbeitswelt der Zukunft mit folgenden Worten: "Schichtwechsel in einem großen Produktionsbetrieb. Sie laufen durch die riesige Fabrikhalle, doch statt Stimmengewirr und hin und her laufenden Menschen sehen Sie nur geschäftiges Treiben von Robotern und Maschinen. Doch diese sind nicht wie heute an einem Ort verankert und machen die immer selben Bewegungen, sie fahren scheinbar chaotisch durch die Fabrikhalle – von einer Maschine zur nächsten, völlig autonom. So sieht eine Vision der nächsten Industriellen Revolution aus, die unter dem Begriff „Industrie 4.0“ zusammen-gefasst wird. Also die vollständige digitale, intelligente Vernetzung der Wertschöpfungskette eines Produktes – vom Kunden, über den Produktionsbetrieb bis hin zu Dienstleistern und Zulieferern. Denn die Roboter in der Zukunftsfabrik können noch mehr: Sie kommunizieren miteinander. Sie holen neue Werkstücke ab, suchen und buchen selbständig Kapazitäten für den nächsten Produktionsschritt, ordern notwendige Teile (bei Bedarf auch beim vernetzten Zulieferer) und bringen alles zum Bestimmungsort zur Weiterverarbeitung. Zusätzlich weiß jedes beteiligte Gerät genau, welche individuellen Wünsche der Kunde angegeben hat und meldet diesem sogar eventuell auftretende Verzögerungen. Gleichzeitig hat der Kunden jederzeit Einblick in den aktuellen Stand seiner Bestellung und kann auch noch während der Produktion Änderungen veranlassen.“

Alles nur Fiktion? Die nahezu menschenleere Fabrik, und eine digital vernetzte Welt, in der Menschen nur noch als Innovatoren, Investoren, Supervisoren und Konsumenten eine entscheidende Rolle spielen? Und dabei spielt sich die Arbeitswelt 4.0 nicht allein in der Industrie ab. Die Entwicklung von sog. "Smart Services" spielt jetzt schon eine sehr große Rolle - das Web 2.0 und 3.0 lassen grüßen. Und wenn irgendwann 3D-Drucker so ziemlich alles erzeugen preiswert genug können, war wir so zum Leben brauchen: Kleidung, Häuser, ja sogar Nahrungsmittel, dann brauchen wir eigentlich kaum noch Fabrikanlagen in der heutigen Form. Bestellung und Ausgelieferung erfolgt sowieso digital vernetzt und mit Hilfe von Robotern.

Damit wäre der Mensch entgültig befreit vom Fluch der Arbeit, der ihn traf, als er vom "Baum der Erkenntnis" kostete und darum aus dem Garten Eden vertrieben wurde. "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen", hieß fortan die Maxime, welch die digitalisierte Welt nun  offenbar in der Lage ist, komplett zu ändern. Produktion zu "nahezu Null Grenzkosten" prophezeihen uns Ökonomen wie Jeremy Riffkin - und sie könnten Recht behalten: Die Digitalisierung könnte es schaffen Produkte und Dienstleistungen viel preiswerter, besser und viel leichter für alle verfügbar zum machen - und gleichzeitig wird die harte körperliche Arbeit komplett abgeschafft. Vielleicht die Arbeit insgesamt, denn alles geht ja viel schneller und braucht viel weniger menschliches Personal.

Die  technischen Grundlagen dafür sind jedenfalls schon gelegt: Schnelle Datenleitungen und neue Technologien wie Cloud-Computing, Big Data und immer bessere Verfahren zur Datenerhebung, Analyse und Informationsverarbeitung schreiten voran. Die Arbeitswelt 4.0 kann also kommen – und sie wird kommen.

Selbstverständlich werden digitale Systeme – zumindest nicht schon morgen  - vollständig autonom funktionieren. Also wird es Mitarbeiter brauchen, welche die Prozesse begleiten, steuern und kontrollieren. Nur werden immer weniger Menschen notwendig sein, und an diese werden weitaus höhere Anforderungen gestellt als an die Industriearbeiter früherer Generationen.

Die Workforce 4.0 muss keine stupiden körperlich anstrengenden und sich stetig wiederholenden Arbeitsschritte mehr tun, wie der typische Arbeiter von einst. Werktätige müssen auch nicht mehr, so wie die Mehrzahl der Industriearbeiter von heute es noch erlebt, für einen einzelnen Produktionsschritt oder eine einzelne Maschine zuständig sein. Stattdessen werden sie die gesamten Abläufe in all ihrer Komplexität – von der Produktionsvorbereitung bis zur Auslieferung der fertigen Güter – begleiten. Die Monotonie, welche die Industriearbeit seit ihren Anfängen begleitet hat, entfällt also. Die neue Art der Arbeit erfordert es, während des gesamten Prozesses nie den Blick auf’s komplexe Ganze zu verlieren, aufmerksam zu bleiben und im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Der Leistungsdruck, der auf den Werktätigen in der Arbeitswelt 4.0 lastet, ist demzufolge keineswegs geringerer, sondern nur ganz anders zuvor. Und genau hier liegen die großen Herausforderungen. Der Mitarbeiter der neuen Zeit wird einem jener gestressten Börsenmakler von heute gleichen, die den Blick immer gleichzeitig auf verschiedene Bildschirme mit unterschiedlichsten Informationen richten und auf dieser Basis blitzschnell zu entscheiden.

Wenn man da betrachtet, wie sehr die Arbeitswelt von heute schon unter Stressphänomen leidet, Mitarbeiter scheinbar immer weniger belastbar werden, innerlich kündigen und Krankschreibungen aufgrund psychischer oder psychosomatischer Leiden zunehmen, muss man sich ernsthaft fragen, ob die Menschen von heute überhaupt für die Arbeitswelt von morgen fähig sind bzw. wie man sie entsprechend stärken und befähigen kann. Der "Unternehmenswert Mensch" bekommt so eine ganz neue Bedeutung.

Der Wert des einzelnen Mitarbeiters für ein Unternehmen wächst, je besser er in der Lage ist, mit den neuen Anforderungen umzugehen. Kreativität, Umsicht, Belastbarkeit sind ebenso wichtig wie vernetztes Denken, Verständnis für das Zusammenwirken von Systemen und Knowhow im Bereich Software. Auch das geübte Handling digitaler Steuerelemente gehört zum Kompetenzfeld der neuen Arbeitswelt. Und: Fehler in der Arbeitswelt 4.0 können im Zweifelsfalle nicht weniger fatale Konsquenzen haben als heute Fehlentscheidungen an der Börse.

Da sich die Menschen nicht mit einem Male zu entsprechenden Multitaskern mit hohem Resilienzpotential entwickeln, müssen Unternehmen unbedingt in Mitarbeiter investieren. Eine Mitarbeiter orientierte Organisationsentwicklung wird dabei mindestens so wichtig werden wie die Entwicklung von digitalen Systemen.

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